Leipziger Rabengeschichten

KalenderCover

Ich wusste immer, wann es Winter wird in Leipzig. Dann, wenn die Saatkrähen sich in großen Scharen auf den Bäumen niederließen. Wenn ihr heiseres Schreien in der Luft lag, dann wurde es Winter.

Erst nach und nach entdeckte ich, wie bunt die Welt der Corviden, der Rabenvögel eigentlich ist: Zu ihnen gehören weltweit viele Arten. Der Kolkrabe ist der bekannteste und größte Vertreter, weit häufiger erlebt man im Stadtgebiet die Rabenkrähe, die auch im Sommer in der Stadt lebt. Seit einigen Jahren ist neben der Elster der Eichelhäher nicht nur auf dem Südfriedhof gut zu beobachten.Und: Kaum ein Kirchturm ohne Dohlen. Die Rabenvögel, die Corviden „umfassen sieben Gruppen: Häher, Elstern, Wüstenhäher, Tannenhäher, Alpenkrähen und Alpendohlen, die Gruppe der Pipias und schließlich, die Raben im engeren Sinne.“ Es gibt etwa 20 bis 31 Gattungen mit 101 bis 103 Arten und etwa 370 Unterarten. Es lohnt sich, sie zu beobachten und kennenzulernen. 

Die Rabenkrähen sind nicht scheu: Im Glashaus im Clara-Zetkin-Park kann man durchaus Besuch bekommen, der neugierig Tasse und Papier inspiziert.

Beliebt sind die Krähenvögel allerdings nicht immer. Vielleicht liegt es daran, dass diese Art Singvogel nicht in das Bild passt, das man sich von ihnen macht. Nichts an den Rabenvögeln ist niedlich und einfach handhabbar. Selbstbewusst verteidigen sie ihr Revier. Sie fordern einen Platz im Stadtbild.

Rabenkrähen sind Allesfresser. Sie „schrecken“ auch vor Aas nicht „zurück“. Vielleicht haben sie daher einen so schlechten Ruf. Im Mittelalter ernährten sie sich häufig von den Gehenkten und galten als Todesvögel.

In der Mythologie und im Märchen hingegen tritt der Rabe, vermutlich wohl zumeist ein Kolkrabe häufig als sozialer und weiser Vogel in Erscheinung, der mit schwierigen Aufgaben betraut wird. Er trägt mit seinem Wissen und seinem Durchhaltevermögen zur Rettung des Helden oder der Heldin bei. Wohl aufgrund seines schwarzen Gefieders wird er heute oft mit der dunklen Seite des Lebens in Verbindung gebracht und begleitet in Sage und Märchen auch die Archetypen der inneren Abgründe wie Hexe oder Zauberer.

Rabenvögel sind sie sozial und intelligent. Vielleicht sind sie „neben den Papageien der cleverste Vogel überhaupt“, wie es in einem Blog heißt. Sie sind in der Lage, logische Abfolgen zu erkennen oder auch selbst zu entwickeln, um an Nahrung zu gelangen. Sogar eigene Werkzeuge können sie herstellen. Auch in Leipzig kann man das beobachten. Am eindrücklichsten ist es vielleicht, wenn sie eine Walnuss auf die Straße fallen, ein Auto darüber fahren lassen und dann die Nuss aufessen. Berührend ist es, wenn man beobachtet wie Rabenvögel sich gegenseitig das Gefieder putzen.

Auch wenn es nicht den Anschein hat: Auch Rabenvögel sind gefährdete Tiere. In Leipzig ist die Saatkrähe als heimischer Vogel ausgestorben. Sie sind ausgestorben – unbemerkt und vermutlich von den meisten wenig vermisst. Sie kommt nur noch auf Besuch. Es gibt nur noch wenige Kolkraben und kaum Dohlenpaare. Leipzig wird ärmer und wir merken es nicht einmal.

Dieses nicht hinzunehmen, dagegen stehen auch in Leipzig immer wieder Enthusiasten auf und setzen sich für Schutz ein. Dazu gehört in Leipzig die Arbeitsgemeinschaft Vogelschutz (Wildvogelhilfe) im NABU-Regionalverband Leipzig. Wer mitmachen möchte, meldet sich bitte im NABU Regionalverband Leipzig e.V., Corinthstraße 14, 04157 Leipzig, Telefon: 0341 6884477, info@NABU-Leipzig.de.

Der neue Rabenkalender kann bereits vorbestellt werden unter: kontakt[at]poesieundfotografie.de

Text: Bettine Reichelt

Fotos: Dr. Fabian Haas

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